PHANTASMAGORIEN

Sinnlichkeit und Intellekt: Zu den Figuren von Gerd Mattheis

Es gehört wohl zu den größten Herausforderungen an zeitgenössische Kunst, neue Formen zu finden, die sich als eigenständige Äußerung aus dem Kanon bisheriger Lösungen herauslöst.

Gerhard Mattheis` Figurenkanon versteht es, mit dem Moment von Humor, Satire und feiner Ironie, hier und da versetzt mit Fingerzeigen auf Mythos und Legende, die Gegensätzlichkeit zwischen Figürlichkeit und Abstraktion gewissermaßen aufzuheben. Seine Figuren zeichnet eine eigentümliche „Körperlosigkeit“ aus. Sie sind nicht einfach nur „dünn“; in ihrer Zartheit wirken sie wie im Verschwinden begriffen, als ließen sie noch einmal einen letzten Blick auf ihre Besonderheit zu, bevor sie sich auflösen. Die Besonderheit freilich muß jedem aufmerksamen Beobachter ein Lächeln auf die Lippen zaubern – sei es aus Rührung, Erstaunen oder Erkennen. Denn das Entkörpern der Figuren betreibt Mattheis nicht als ästhetisch motiviertes Spiel - ganz im Sinne Paul Klees geht es ihm um das „Sichtbarmachen“. Mattheis dringt zum Wesenhaften vor, indem er das Vergängliche durch Figuren enthüllt, die den Betrachter durch ihre filigrane Verwundbarkeit erstaunen und entzücken.

© Florian L. Arnold